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Landrat referierte über Geschichte der Idar-Obersteiner SPD

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Ausgehend von seinen Büchern über die regionale Zeitgeschichte gab Landrat Axel Redmer auf Einladung der Idar-Obersteiner Juso-AG Auskunft über die Geschichte der Idar-Obersteiner Sozialdemokratie.

Dabei erfuhren die jungen SPD-Mitglieder, dass sich vor 115 Jahren erstmals Arbeiter und kleine Selbständige zum "Volksverein für Oberstein und Umgegend" zusammenschlossen. Zuvor war in der Kaiserzeit auf Betreiben von Reichskanzler Bismarck durch das so genannte Sozialistengesetz sozialdemokratische Parteiarbeit außerhalb von Wahlkämpfen strafbar gewesen. Hausdurchsuchungen und Ausweisungen von Sozialdemokraten unterdrückten eine offene politische Diskussion, verhinderten letztlich aber nicht deren zunehmenden Wahlerfolge.

Schon 1904 gelangten mit Alfred Heine und Emil Cullmann erstmals SPD-Mitglieder in den Obersteiner Gemeinderat. Beide waren bezeichnenderweise selbständig. Die Wahl eines Sozialdemokraten zum städtischen Beisitzer wurde allerdings 1911 von der Regierung in Oldenburg nicht anerkannt, so dass eine erneute Wahl notwendig wurde, die schließlich das von der Staatsregierung angestrebte Ergebnis brachte.

Während der Weimarer Republik erwies sich dann die Sozialdemokratie an der oberen Nahe als lange Zeit dominierende politische Kraft. Eine eigene Tageszeitung ("Nahetal-Bote"), zahlreiche Vereine der Arbeiter-Sport- und –Kulturbewegung, Konsumgenossenschaft, Arbeiterwohlfahrt, Naturfreunde, Gewerkschaften und die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) zeugten von der Breite des sozialdemokratischen Milieus.

1924 gelangte mit Emil Kirschmann sogar ein Obersteiner Sozialdemokrat in den Reichstag. Dort stimmte er zusammen mit Karl Raloff, einem ehemaligen Redakteur des "Nahetal-Boten", und 92 weiteren Fraktionskolleginnen und –kollegen gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz. Wenige Wochen später musste er wie Jupp Füllenbach, August Mensch und andere Widerstandskämpfer Deutschland verlassen, um nicht Opfer des Nazi-Terrors zu werden.

Die heutigen Jusos sehen sich, wie deren Vorsitzender Marco Loch unterstrich, in der Tradition von demokratischen Persönlichkeiten wie Emil Kirschmann. Deshalb sei ihnen auch der Kampf gegen rechtsradikales Gedankengut sehr wichtig. Bewusst habe man vor diesem Hintergrund zusammen mit anderen Jugendverbänden in der Obersteiner Fußgängerzone Schriften der Landeszentrale für politische Bildung im Rahmen des Projektes "Café Courage" verteilt. Damit sei den NPD-Bemühungen, in Idar-Oberstein Fuß zu fassen, eine deutliche Absage erteilt worden.

Um auch noch über die Geschichte der Idar-Obersteiner Sozialdemokratie nach 1945 diskutieren zu können, vereinbarten die Jusos eine weitere Veranstaltung mit Landrat Axel Redmer.